Umweltministerium vs. Landwirtschaft: eine überfällige Diskussion

In den letzten Wochen hat sich die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks mit gleich zwei Aktionen den Unmut vieler Landwirte zugezogen (und auch den des Landwirtschaftsministers). Erst sorgte die Kampagne mit neuen Bauernregeln für Unmut, angeblich würden Landwirte verunglimpft. Dabei sollten die gereimten Sprüche vor allem eine Diskussion anstacheln, der sich auch Verbraucher nicht entziehen können: wieviel ist uns gutes Essen wert? Aufgrund der massiven Kritik der Bauernlobby wurde die Kampagne gestoppt. Schade, denn der gesellschaftliche Diskurs zu diesem Thema ist längst überfällig, im Verhältnis zu unserem Reichtum als Land sind Lebensmittel nirgendwo auf der Welt so billig wie bei uns. Wenn sich nur noch „Reiche“ Lebensmittel leisten können, die kein schlechtes Gewissen machen (wegen Tierwohl, Umweltschutz, etc.), läuft etwas grundlegend falsch.

Nun hat die Ministerin eine andere Entscheidung getroffen, die die Gemüter so manches Politikers erregt: das BMUB serviert bei Besprechungen nur noch vegetarisches Catering, das zudem soweit möglich saisonal und bio sein soll. Mit einem Landwirtschaftsminister, der jüngst forderte, Schulen sollten mehrmals pro Woche Fleisch servieren – obwohl jede Ernährungsempfehlung schon lange dahingeht, den Fleischkonsum auf einmal wöchentlich zu reduzieren – muss das natürlich Knatsch geben.

Wir finden die Impulse aus dem BMUB längst überfällig. Der Staat ist einer der größten Einkäufer überhaupt, wenn von dort zwar Gesetze kommen, die Wirtschaft solle grüner werden, man selber aber nicht grün einkauft, ist das unglaubwürdig (und zudem eine vertane Chance, mit Steuermitteln eine nachhaltige Gesellschaft zu gestalten). Frau Hendricks, machen Sie weiter so! Mehr green sourcing und mehr öffentliche Debatten darüber, welche Entscheidungen wir mit unseren Geldbeuteln treffen tun dringend Not.

TopFarmers im Interview bei Aquaponics Deutschland e.V.

Schon vor einiger Zeit haben wir mit Mandy vom Aquaponics Deutschland e.V. gesprochen, jetzt ist das Interview erschienen.

Der Verband ist noch ziemlich jung, ähnlich wie die „Branche“, die da gerade entsteht. Wir sind gespannt, wo sich in der Zukunft Synergien ergeben. Bei so ziemlich alle Abschlussarbeiten, an denen wir in letzter Zeit beteiligt waren oder die wir betreut haben, war der Verband jedenfalls ebenfalls ein wichtiger Ansprechpartner.

Aber hier jetzt zum Interview, viel Spaß beim Lesen!

Heute ist Weltbodentag – wie geht es unserer „Erde“?

Die Degeneration von fruchtbaren Böden betrifft mittlerweile ein Drittel der Landmasse und 40% der urbaren Fläche die wir haben. In den letzten 150 Jahren haben wir die Hälfte unseres Mutterbodens und Humus an Erosion, Verdichtung, Nährstoffmangel, Dekarbonisierung und Versalzung verloren. Machen wir mit dem jetzigen Tempo weiter, haben wir noch ungefähr 60 Jahre Mutterboden zur Verfügung.

Die wachsende Weltbevölkerung und deren steigender Konsum tierischer Proteine (= viel mehr Flächenverbrauch je kg Nahrung, aber auch je kcal als bei pflanzlicher Nahrung) schaffen einen Konflikt zwischen Nahrung (Landwirtschaft) und Wohnraum, Energie sowie Berg- und Tagebau. Land und Boden werden zunehmend zu Spekulationsobjekten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Klimawandel die Wetterextreme verschärfen und damit die Erträge auf dem verbleibenden Land verringern. In der Folge stehen steigende Lebensmittelpreise und mehr Menschen müssen vor Hunger und Armut fliehen.

Zeit, etwas dagegen zu tun! Unser Beitrag mit AquaTERRAponik ist natürlich nur ein Puzzleteil von vielen, aber wir sind davon überzeugt, dass die Nutzung von städtischen Flächen mit hohen Erträgen einen Teil dieses Drucks auf unsere Böden verringern kann. Indem wir so naturnah wie möglich anbauen und gänzlich auf künstlichen Dünger, Pestizide und Herbizide (sowie Hormone und Antibiotika bei den Tieren) verzichten, vermeiden wir auch die vielen anderen Nachteile von intensiver Landwirtschaft, wie Überdüngung und Versalzung – denn letztlich landet das, was wir den Pflanzen geben, entweder über das Grund- und Abwasser im Trinkwasser oder direkt in unseren Lebensmitteln. Und die Dezentralität unserer Anbaumethode erzeugt Lebensmittel da, wo sie auch konsumiert werden, ohne weite Transportstrecken.

Andere Puzzleteile wie Terra Preta zur Rekarbonisierung der Böden sind ebenfalls wichtig und ganz langsam auf dem Sprung zu einer größeren Verbreitung. Wir hoffen, viele andere folgen unserem Beispiel und begeben sich wie wir auf die Suche nach wirklich nachhaltigen Lösungen – damit Genuss wieder ohne schlechtes Gewissen erfolgen kann!

AquaTerraPonik mit toller Ökobilanz

Es ist soweit: wir haben unsere Ökobilanz für den neuen Standort fertig. Die Berechnungen waren ein ganz schön umfangreiches Unterfangen. Anlass war unsere Teilnahme am diesjährigen Bundespreis ecodesign, für den wir alle Zahlen rund um unsere Produktion aufbereitet haben. Wir mussten zwar so manche Annahme treffen, aber das Ergebnis ist trotzdem ziemlich beeindruckend. Wir sparen mit AquaTerraPonik

  • 80% des Wasserbedarfs
  • 80% des Flächenverbrauchs
  • 85% des CO2-(äquivalent)-Ausstoßes

im Vergleich zur konventionellen Erzeugung. Das ist eine ganze Menge! Damit lässt sich zwar nicht gleich die Welt retten, aber wenn man z.B. den Konsum seines tierischen Eiweißes (= Fleisch & Fisch, ohne Milch & Ei) sowie Gemüse und Obst komplett aus AquaTerraPonik bezieht, würde man man 2,75 Tonnen CO2 einsparen – von 9,2 Tonnen, die der durchschnittliche Deutsche pro Jahr verursacht, also immerhin 25%. Das wäre doch ein großartiger Anfang!

Potenziale von Aquaponics für die „Entwicklungshilfe“

Wir beschäftigen uns öfter mit der Frage, welche Potenziale Aqua(Terra)Ponik für das Thema Ernährungssicherheit bietet. Nicht zuletzt stehen wir diesen Monat beim Tag der Offenen Tür des BMZ am Stand des Vereins ZERAP Germany e.V. und werden unser mini-Aquarien-Modell dabei haben.

Letztlich begleitet uns dieses Thema schon seit unseren ersten Versuchen 2011. In den Herkunftsländern des Afrikanischen Welses wird in offenen Teichen gezüchtet, und dank der Wärme ist ein Gewächshaus nicht notwendig – also wäre ein Kreislaufsystem doch „ganz einfach“? Auch in Brasilien scheint weitgehend viel mehr Sonne als bei uns, also rauf auf die Dächer von Sao Paulo?

Wenn es ganz so einfach wäre, würden es schon viele tun. Trotzdem ermutigen wir Menschen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn sehr ähnlich wie in der Permakultur geht es in erster Linie darum, Ökosysteme zu beobachten und nachzuahmen. Nur so kann das Potenzial von landwirtschaftlichen Flächen wirklich gehoben werden, und man schafft Unabhängigkeit von großen Konzernen. Aber das ist eben komplex, es müssen Dutzende unterschiedliche Tätigkeiten gelernt und angewandt werden; Fleiß und Liebe zum Detail sind notwendig, um das System stabil zu halten.

Wir sind trotzdem davon überzeugt, dass insbesondere für Kleinbauern in aller Welt unterschiedliche Aquaponik-Methoden ein sinnvolles Standbein sein können. Eine umfangreiche Sammlung von Ideen und Ansätzen gibt es übrigens auch bei der FAO – für alle, die sich selber an das Abenteuer Selbstversorger wagen wollen.

Berlin Seafood Festival – Wels im Thai-Curry!

Wie immer freuen wir uns, wenn Köche mit unserem Fisch experimentieren. Felicitas Then hat das auf dem Berlin Seafood Festival getan, in Form eines super leckeren Currys – yummy!

Vorher wollte sie natürlich unsere Produktion besichtigen. Auf Facebook postete sie:
„Fischbeschau bei Topfarmers. Hier wird nachhaltiger Wels gezüchtet. Der darf morgen ins Thai-Curry beim Berlin Seafood Festival. Aus Friedrichshain für ein Fest in Friedrichshain – regionaler geht nicht!“

Bei strahlendem Sonnenschein wurden dann am Wochenende mehrere Hundert Portionen gekostet, wir hoffen, es hat allen geschmeckt!