TopFarmers im Interview bei Aquaponics Deutschland e.V.

Schon vor einiger Zeit haben wir mit Mandy vom Aquaponics Deutschland e.V. gesprochen, jetzt ist das Interview erschienen.

Der Verband ist noch ziemlich jung, ähnlich wie die „Branche“, die da gerade entsteht. Wir sind gespannt, wo sich in der Zukunft Synergien ergeben. Bei so ziemlich alle Abschlussarbeiten, an denen wir in letzter Zeit beteiligt waren oder die wir betreut haben, war der Verband jedenfalls ebenfalls ein wichtiger Ansprechpartner.

Aber hier jetzt zum Interview, viel Spaß beim Lesen!

Heute ist Weltbodentag – wie geht es unserer „Erde“?

Die Degeneration von fruchtbaren Böden betrifft mittlerweile ein Drittel der Landmasse und 40% der urbaren Fläche die wir haben. In den letzten 150 Jahren haben wir die Hälfte unseres Mutterbodens und Humus an Erosion, Verdichtung, Nährstoffmangel, Dekarbonisierung und Versalzung verloren. Machen wir mit dem jetzigen Tempo weiter, haben wir noch ungefähr 60 Jahre Mutterboden zur Verfügung.

Die wachsende Weltbevölkerung und deren steigender Konsum tierischer Proteine (= viel mehr Flächenverbrauch je kg Nahrung, aber auch je kcal als bei pflanzlicher Nahrung) schaffen einen Konflikt zwischen Nahrung (Landwirtschaft) und Wohnraum, Energie sowie Berg- und Tagebau. Land und Boden werden zunehmend zu Spekulationsobjekten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Klimawandel die Wetterextreme verschärfen und damit die Erträge auf dem verbleibenden Land verringern. In der Folge stehen steigende Lebensmittelpreise und mehr Menschen müssen vor Hunger und Armut fliehen.

Zeit, etwas dagegen zu tun! Unser Beitrag mit AquaTERRAponik ist natürlich nur ein Puzzleteil von vielen, aber wir sind davon überzeugt, dass die Nutzung von städtischen Flächen mit hohen Erträgen einen Teil dieses Drucks auf unsere Böden verringern kann. Indem wir so naturnah wie möglich anbauen und gänzlich auf künstlichen Dünger, Pestizide und Herbizide (sowie Hormone und Antibiotika bei den Tieren) verzichten, vermeiden wir auch die vielen anderen Nachteile von intensiver Landwirtschaft, wie Überdüngung und Versalzung – denn letztlich landet das, was wir den Pflanzen geben, entweder über das Grund- und Abwasser im Trinkwasser oder direkt in unseren Lebensmitteln. Und die Dezentralität unserer Anbaumethode erzeugt Lebensmittel da, wo sie auch konsumiert werden, ohne weite Transportstrecken.

Andere Puzzleteile wie Terra Preta zur Rekarbonisierung der Böden sind ebenfalls wichtig und ganz langsam auf dem Sprung zu einer größeren Verbreitung. Wir hoffen, viele andere folgen unserem Beispiel und begeben sich wie wir auf die Suche nach wirklich nachhaltigen Lösungen – damit Genuss wieder ohne schlechtes Gewissen erfolgen kann!

AquaTerraPonik mit toller Ökobilanz

Es ist soweit: wir haben unsere Ökobilanz für den neuen Standort fertig. Die Berechnungen waren ein ganz schön umfangreiches Unterfangen. Anlass war unsere Teilnahme am diesjährigen Bundespreis ecodesign, für den wir alle Zahlen rund um unsere Produktion aufbereitet haben. Wir mussten zwar so manche Annahme treffen, aber das Ergebnis ist trotzdem ziemlich beeindruckend. Wir sparen mit AquaTerraPonik

  • 80% des Wasserbedarfs
  • 80% des Flächenverbrauchs
  • 85% des CO2-(äquivalent)-Ausstoßes

im Vergleich zur konventionellen Erzeugung. Das ist eine ganze Menge! Damit lässt sich zwar nicht gleich die Welt retten, aber wenn man z.B. den Konsum seines tierischen Eiweißes (= Fleisch & Fisch, ohne Milch & Ei) sowie Gemüse und Obst komplett aus AquaTerraPonik bezieht, würde man man 2,75 Tonnen CO2 einsparen – von 9,2 Tonnen, die der durchschnittliche Deutsche pro Jahr verursacht, also immerhin 25%. Das wäre doch ein großartiger Anfang!

Potenziale von Aquaponics für die „Entwicklungshilfe“

Wir beschäftigen uns öfter mit der Frage, welche Potenziale Aqua(Terra)Ponik für das Thema Ernährungssicherheit bietet. Nicht zuletzt stehen wir diesen Monat beim Tag der Offenen Tür des BMZ am Stand des Vereins ZERAP Germany e.V. und werden unser mini-Aquarien-Modell dabei haben.

Letztlich begleitet uns dieses Thema schon seit unseren ersten Versuchen 2011. In den Herkunftsländern des Afrikanischen Welses wird in offenen Teichen gezüchtet, und dank der Wärme ist ein Gewächshaus nicht notwendig – also wäre ein Kreislaufsystem doch „ganz einfach“? Auch in Brasilien scheint weitgehend viel mehr Sonne als bei uns, also rauf auf die Dächer von Sao Paulo?

Wenn es ganz so einfach wäre, würden es schon viele tun. Trotzdem ermutigen wir Menschen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn sehr ähnlich wie in der Permakultur geht es in erster Linie darum, Ökosysteme zu beobachten und nachzuahmen. Nur so kann das Potenzial von landwirtschaftlichen Flächen wirklich gehoben werden, und man schafft Unabhängigkeit von großen Konzernen. Aber das ist eben komplex, es müssen Dutzende unterschiedliche Tätigkeiten gelernt und angewandt werden; Fleiß und Liebe zum Detail sind notwendig, um das System stabil zu halten.

Wir sind trotzdem davon überzeugt, dass insbesondere für Kleinbauern in aller Welt unterschiedliche Aquaponik-Methoden ein sinnvolles Standbein sein können. Eine umfangreiche Sammlung von Ideen und Ansätzen gibt es übrigens auch bei der FAO – für alle, die sich selber an das Abenteuer Selbstversorger wagen wollen.

Berlin Seafood Festival – Wels im Thai-Curry!

Wie immer freuen wir uns, wenn Köche mit unserem Fisch experimentieren. Felicitas Then hat das auf dem Berlin Seafood Festival getan, in Form eines super leckeren Currys – yummy!

Vorher wollte sie natürlich unsere Produktion besichtigen. Auf Facebook postete sie:
„Fischbeschau bei Topfarmers. Hier wird nachhaltiger Wels gezüchtet. Der darf morgen ins Thai-Curry beim Berlin Seafood Festival. Aus Friedrichshain für ein Fest in Friedrichshain – regionaler geht nicht!“

Bei strahlendem Sonnenschein wurden dann am Wochenende mehrere Hundert Portionen gekostet, wir hoffen, es hat allen geschmeckt!

Von der Zukunft lokaler Landwirtschaft – Ernährungsrat Berlin

Die Zukunft lokaler Landwirtschaft wird in Berlin von einem breiten Netzwerk gestaltet, das wurde bei der Gründung des ersten Ernährungsrates sichtbar.

 

Eine zukünftige Ernährungswirtschaft steht für Nahrungsmittelsicherheit und Ernährungs-Sourveränität, u.a. durch resiliente Produktionsweisen.

Das sind für uns grundlegende Werte einer gesunden und nachhaltigen Lebensmittelproduktion. Diese Werte sind so bedeutend, dass sich ein breites Netzwerk gebildet hat, mit dem Ziel Rahmenbedingungen für eine zukünftige, nachhaltige Landwirtschaft zu schaffen. Es sollen klein-bäuerliche Betriebe und kleinteilige Erzeuger der Weg zu den städtischen Konsumenten erleichtert werden, fern der großen Handelswege.

Ein wichtiger Schritt dafür ist die Gründung des Berliner Ernährungsrates, der am 22. April, kurz nach dem ersten Ernährungsrat in Köln, gegründet wurde.

Die Gründung in Berlin wurde durch kompetente und ehrgeizige Vorbereitung zu einem Erfolg und der gewählte Kreis der Sprecherinnen und Sprecher zeigt, wie vielfältig die Interessen an diesem Ernährungsrat sind. Im Kreis der Sprecher gekommen sind Bauern und junge Landwirte sowie Erzeuger und Verbrauchergruppen aus der Region. Dazu erfahrene Umweltaktivisten und Unternehmer.

Wir waren vor Ort um abzustimmen, haben das Netzwerk besser kennenlernen können und wollen den Ernährungsrat auf dem gemeinsamen Weg zu einer alternativen Lebensmittelversorgung in Berlin und Brandenburg unterstützen.

Wir teilen die Ziele und sind selbst aktiv. Seit etwa 5 Jahren beschäftigen wir uns mit Aquaponik und zukunftsfähiger Landwirtschaft. In unserem Fall speziell im urbanen Anbau.

Unsere gesammelten Erfahrungen und unsere Expertise bringen wir seit 2015 als Praxispartner im „nascent“ Forschungsprojekt ein. Ziel der Forschung ist auch hier eine nachhaltige Ernährungswirtschaft durch transformative Wirtschaftsformen zu erreichen.

Das Forschungsprojekt wird von Dr. Reinhard Pfriem geleitet, Professor für Unternehmensführung und betriebliche Umweltpolitik an der Universität Oldenburg, und steht für „Neue Chancen für eine nachhaltige Ernährungswirtschaft durch transformative Wirtschaftsformen“.

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Urban Farming, solidarische Landwirtschaft, Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften oder regionale Lebensmittelnetzwerke sind Beispiele neuer Formen nachhaltiger Ernährungswirtschaft. Das Projekt rückt diese neuen und oftmals unkonventionellen Wirtschaftsformen und -initiativen ins Zentrum der Forschung und untersucht deren Potenziale zur Transformation des etablierten Ernährungssystems.

Das Forschungsprojekt läuft 3 Jahre und Ende 2017 mit dem Ziel entwicklungsfähige Wirtschaftsformen aus der Nische zu holen und zielgruppenspezifische Informationsangebote bereitzustellen, so dass eine nachhaltige Entwicklung des Ernährungssystems unterstützend vorangetrieben werden kann.

Wir sind begeistert, dass das Forschungsprojekt für ein alternatives Ernährungssystem entstanden ist. Wir begleiten das Projekt die nächsten 2 Jahre als Praxispartner und sind gespannt auf das Resultat.

Es bewegt sich einiges und das Bewusstsein für eine verantwortungsvolle Landwirtschaft steigt. Wir sind glücklich Teil der Bewegung zu sein und möchten die Zukunft mitgestalten.

Jede_r ist herzlich eingeladen daran teilzunehmen.

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